Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie sehr die Worte, die Jahre vorher bestimmt wurden, dann in das jeweilige Jahr passen. 

Wer hätte bei der Auswahl 2018 ahnen können, dass wir 2021 mitten in einer Pandemie stecken, die auch die Frage nach der Barmherzigkeit stellen wird. Solidarität und Miteinander, Rücksichtnahme und eigener Verzicht, all das, was in dieser Zeit von uns gefordert ist, können wir eigentlich nur, wenn wir uns berühren lassen von der Not, die das Virus verursacht oder aber manchmal auch die Maßnahmen, mit denen wir das Gesundheitswesen versuchen vor Überforderung zu schützen. 

Barmherzigkeit – sagt Martin Luther – heißt mit seinem Herzen bei den Armen zu sein. Barmherzig-Sein beschreibt eine Liebe, die so tief geht, dass sie es nicht mehr 

schafft, beim bloßen Mitgefühl über das Elend anderer stehen zu bleiben. Barmherzigkeit macht das Herz weich, lässt die Not und das Elend eines andern an sich heran und kann nicht anders als handeln. 

So wie bei jenem Mann, der zwischen Jericho und Jerusalem unterwegs war und einen Überfallenen verletzt am Straßenrand fand. Er schaute nicht weg, sondern half. Verband die Wunden und brachte den Verletzten an einen sicheren Ort, wo er weiter gesund gepflegt wurde. 

Diesen barmherzigen Samariter stellt uns Jesus in einem Gleichnis als Beispiel für Barmherzigkeit vor. 

Wer barmherzig handelt, der lässt sich berühren. Der wendet sich zu. Die ist bereit Zeit, Geld und Zuwendung zu geben. Die andere Seite zu sehen. 

Bin ich barmherzig? Manchmal – ich kann es auf alle Fälle noch mehr werden – auch mit mir selbst. Wenn ich meinen Ansprüchen, nicht gerecht werde.

Ich kann es werden in der Verbindung mit dem, der die Quelle und die Fülle der Barmherzigkeit ist: Gott selbst. In der Jahreslosung nennt ihn Jesus „unseren Vater“. 

Die Jahreslosung lädt ein, mich immer wieder neu mit dieser Quelle zu verbinden, aus der Barmherzigkeit, Erbarmen und Gnade fließt. Damit auch ich barmherzig werde. Das Jahreslosungsmotiv, das wir im Gemeindehaus hängen haben, zeigt genau das.

Überfließende Fülle, die von oben kommt, und Schale für Schale füllt. Schauen Sie es sich bei einem Gottesdienst gern mal an. 

Ich wünsche uns ein Jahr voller Barmherzigkeit, die uns Not sehen und handeln lässt. Immer gespeist aus der Quelle beim himmlischen Vater. 

Bleiben Sie behütet!

Pfarrerin Ulrike Ebisch